Brigaderapport 2017

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Die VUCA-Welt und die Schweiz

Bereit sein ist alles.
Das Jahr 2016 hat uns wieder einige Überraschungen und einschneidende Ereignisse beschert. Die wichtigsten waren Brexit, Trump, Erdogan und Putin. Diese Ereignisse werden auch das Jahr 2017 wiederum beeinflussen. Der Brexit wird Europa im Jahr der Wahlen in NE, DE und FR vor Herausforderungen stellen.  Niemand kann zuverlässig voraussehen, wie die Politik von Präsident Trump sein wird. Geht Trump den isolationistischen Weg, wird sich die Sicherheitsarchitektur in Europa, im nahen Osten und im Pazifikraum verändern. In welche Richtung geht Erdogan mit der Türkei? Die Türkei als Firewall zwischen Europa und den Kriegen im nahen Osten. Näher zu Europa oder Russland oder gar in ein Kalifat?
Wie wird Putin die neue Weltordnung ausnutzen um wieder eine Grossmacht zu sein?
Unsere VUCA-Welt, diese volatile, unsichere, komplexe und vieldeutige Welt, wird sich auch 2017 weiter beschleunigen.
Dazu kommen die vier grossen Bewegungen, Trends, der VUCA Welt. Sie haben alle gemeinsam, dass sie unsere Welt massiv verändern werden und sich nicht mehr aufhalten lassen. Es sind die Urbanisierung, die Demographie, der Klimawandel und die vierte Industrielle Revolution, also die Digitalisierung. Diese Bewegungen wirken mit ständig zunehmender Vernetzung.
Die Digitalisierung ist eine grosse Chance für die Schweiz. Eine sehr wichtige Chance für uns als Innovations-, Technologie und Erfahrungsland.
Technologie bringt unsere Schweiz aber auch immer mehr in die Abhängigkeit. Mehr Abhängigkeit als jedes andere Land – von kritischer Infrastruktur. Die Schlüsselinfrastrukturen für die Digitalisierung sind das Internet und … der Strom.
Die Schweiz als Innovationsland braucht Stabilität und Sicherheit.
Die Armee ist nicht Selbstzweck. Wir sind die einzige Sicherheitsreserve der Schweiz.
Die Armee ist da für unser Land und Leute. Wir helfen, schützen und kämpfen in Katastrophe, Krise oder Krieg.
Die Armee drängt sich nicht auf. Unser Einsatz ist immer ein politischer Entscheid.
Aber wenn es uns braucht, dann sind wir bereit.
Bereit sein ist alles.

Jeder einzelne Tag ist Einsatzvorbereitung

Stellen Sie sich vor, sie müssen in drei Wochen in den Einsatz. Unser Land ist in einer Krise und es geht darum, einerseits logistische Leistungen zu erbringen und andererseits uns selber und unsere Leistungsbezüger zu schützen.
Plötzlich ist nicht mehr Bedrohungsstufe „ALPHA“ sondern „BRAVO“ und es droht „CHARLIE“.
Ihre Kompanie rückt am nächsten Montag ein.
Wie nutzen Sie diese drei Wochen? Wie bereiten Sie Ihre Truppe auf diesen Einsatz vor?
So wie ich Sie kennengelernt habe, würden Sie jeden Tag, jede Stunde, jeden Moment für Ausbildung nutzen.
Ist Ihnen bewusst, dass mit der WEA solche Einsätze möglich sind?
Dass jederzeit das SMS eintreffen kann.
Ist Ihnen bewusst, dass Sie nur noch ein WK von der WEA trennt?
Ein WK von genau drei Wochen Dauer?
Ihr WK dieses Jahr ist nichts anderes, als die letzen drei Wochen zur Vorbereitung auf mögliche Einsätze!
Bereit sein ist alles.

Ausbildung als eigenverantwortliche Vorbereitung auf mögliche Einsätze

Wenn wir das SMS erhalten und in den Einsatz gerufen werden, dann herrscht wahrscheinlich eine ausserordentliche Lage. Wahrscheinlich ist dann eben nicht mehr „ALPHA“, sondern „BRAVO“ und „CHARLIE“.
Die Armee ist ein robustes Mittel. Wir können unsere Leistungen auch unter ausserordentlichen Bedingungen erbringen. Wir können uns selber und unsere Leistungsbezüger schützen.
Deshalb sind wir nicht Militärsamariter. Wir sind Sanitätssoldaten.
Wir sind nicht Militärlogistiker. Wir sind Nachschubsoldaten.
Wir sind nicht Verkehrskadetten. Wir sind Verkehrssoldaten.
Darum müssen wir auch das soldatische Handwerk trainieren – am besten in Form von Verbandsausbildung. Haben Sie in der Ausbildung Vertrauen in die Eigenmotivation ihrer Gruppen und Soldaten.
Geben Sie anspruchsvolle Schulungsziele vor und dann lassen Sie sie eigenverantwortlich trainieren.

„Warum ich Sie brauche!“

Als militärische Chefs vergessen wir manchmal, wer eigentlich die Arbeit macht. Es bin nicht ich. Es sind nicht Sie. Es ist die Truppe. Der Milizsoldat.
Die SoldatInnen, die Truppe, erbringen die Leistungen. Alle Aktivitäten richten sich nur darauf aus, dass unsere Truppe rechtzeitig an den richtigen Ort in den Einsatz kommt. Der richtige AdA, zur richtigen Zeit, am richtigen Ort, mit der richtigen Ausbildung, Ausrüstung und vor allem: Er weiss warum.
Die Armee sind nicht Maschinen, Systeme und Geräte – Es sind Menschen.
Es ist der Milizsoldat, der Patienten pflegt. Es ist der Milizsoldat, der kommissioniert und den Stapler fährt. Es ist der Milizsoldat, der den Lastwagen fährt und bewegt.
Wie kann es uns, der Logistikbrigade, nicht gelingen, Sinn zu vermitteln?
Noch nie in unserem Leben war die Zeit so ungewiss und unsicher wie jetzt.
Schon lange nicht mehr war die Unterstützung in der Bevölkerung für die Armee so hoch.
Wir bewegen Menschen und Güter. Wir helfen Menschen im Sanitätsdienst. Wir reparieren vom kleinsten Funkgerät bis zum grössten Lastwagen. Wir schützen. Wir verbinden Menschen.
Ich frage nochmals: Wie kann es uns nicht gelingen, dafür den Sinn zu vermitteln?
Erklären Sie ihnen, warum Sie sie brauchen!