…wenn es uns braucht sind wir bereit!

Heute Morgen war ich auf Truppenbesuch beim Spitalbataillon 75 in Thusis. Die Soldaten und Kader bereiten sich im WK darauf vor, in Krise, Katastrophe oder Krieg den Menschen in der Schweiz medizinisch zu helfen. Jeder einzelne Tag im WK dient nur der Vorbereitung für diesen Fall. Ich traf die Kader in den letzten Vorbereitungen, um am kommenden Montag den WK mit einer Mobilmachung zu beginnen. Wie ernsthaft diese Vorbereitungen sind, konnte ich an der Frage eines Feldweibels feststellen. Er hatte alles im Detail durchgedacht und wollte wissen, wie gewisse Abläufe im Ernstfall wären.

Nach der Verabschiedung der Rechtsgrundlagen zur Weiterentwicklung der Armee (WEA) durch die eidgenössischen Räte am 18. März 2016, kann die Armee wieder mit einer Mobilmachung aufgeboten werden. Damit können Teile oder die ganze Armee rasch in den Einsatz gebracht werden. Über 20’000 Angehörige der Armee sind Miliz mit hoher Bereitschaft und können bei einer Mobilmachung mit SMS ausgelöst werden. Mein Anspruch an die Formationen der Logistikbrigade ist es, bereits nach 24 bis 48 Stunden allererste Leistungen zu Gunsten der Bevölkerung erbringen zu können.

Dasselbe Bild durchgehend bei allen Bataillonen die ich dieses Jahr im WK besuchte. Es wird ernsthaftes Training zur Einsatzvorbereitung betrieben. Vorbereitungen, um unsere Bevölkerung im Notfall zu versorgen, Menschen und Güter zu bewegen, Geräte und Fahrzeuge zu reparieren und Menschen und existenziell wichtige Einrichtungen zu schützen.

Die Anforderungen an die Miliz sind hoch. Wenn sie einrückt werden aus Verkäufern, Bankangestellten, Studenten, Logistikern, Führungskräften und Selbständigerwerbenden im Handumdrehen Soldaten, Unteroffiziere und Offiziere. In anspruchsvollem, realitätsnahem Training bereiten sie sich auf Einsätze zu Gunsten unseres Landes und Leuten vor. Das Training ist vielseitig und fordernd. Die Beurteilung ist streng. Gemessen wird primär die Auftragserfüllung, also ob die geforderten Leistungen zu Gunsten ziviler oder militärischer Partner erbracht werden konnten. Hinzu kommen die Beurteilung der Zeitverhältnisse, ob nicht unnötig Zeit verschwendet wurde, sowie die Machbarkeit der vom Kader gefassten Entschlüsse. Jede Übung wird ehrlich und systematisch ausgewertet, um Konsequenzen und Massnahmen abzuleiten. Wir dürfen uns nichts vormachen und müssen uns kontinuierlich verbessern.

Bei einem kürzlichen Besuch bei der Truppe stellte mir ein Soldat die Frage, warum denn in letzter Zeit in den Medien so negativ über die Armee berichtet würde. Wir Milizsoldaten seien ja ein Teil der Bevölkerung und nur im Dienst, um unserem Land zu helfen. Weshalb denn jemand dagegen sein könne. Ich wusste die Antwort nicht, versicherte ihm jedoch, es liege sicher nicht an ihm oder seinen Kameraden, denn sie würden ausgezeichnete Arbeit leisten.

Auf der Rückfahrt von meinem heutigen Besuch wurde mir die Antwort auf die Frage des erwähnten Soldaten plötzlich klar. Ich las in den Nachrichten, dass 84% der Bevölkerung die Armee als notwendig erachten. Das ist der höchste Wert seit dem kalten Krieg und zeigt, dass die Menschen in der Schweiz die Armee als Antwort auf die aktuell bedrohlicher empfundene Weltlage betrachten. Dieses grosse Vertrauen dürfen wir nicht enttäuschen. Es ist deshalb richtig, dass auch die Medien gut hinschauen und uns auf Probleme aufmerksam machen. Wir haben nichts zu verbergen. Wenn wir wissen, wo etwas nicht funktioniert, können wir es verbessern. Im Gegenzug hat es die Miliz – also dieselben Schweizer, die Zeitungen kaufen und sich im Fernsehen Sendungen ansehen – verdient, positiv erwähnt zu werden, wenn sie gute Arbeit leistet. Und gute Arbeit leistet die Milizarmee jahrein jahraus: Beim Konferenzschutz, an eidgenössischen Veranstaltungen im Hintergrund, bei der Hilfe bei Naturereignissen oder wie das Spitalbataillon 75 im Einsatz in Spitälern und Pflegeinstitutionen.

Die Armee drängt sich nicht auf. Als einzige Sicherheitsreserve der Schweiz ist unser Einsatz immer ein politischer Entscheid. Aber wenn es uns braucht – wenn wir das besagte SMS erhalten um einzurücken – dann sind wir bereit. Bereit, um Land und Leuten zu helfen und zu schützen. Und wenn es sein muss, dann kämpfen wir für die Schweiz.

Ein Gedanke zu “…wenn es uns braucht sind wir bereit!

  1. Sehr geehrter Herr Brigadier,
    sehr geehrte Damen und Herren
    Sehr früh stand ich als Mitarbeiterin am Institut für Operations Research an der HSG (damals IfU-HSG) eng mit dem (hohen) Militär in Kontakt. Ab jugendlichem Alter, auch heute stehe ich voll und aus tiefer Überzeugung von der Verantwortung/Tatkraft hinter unserer Schweizer Armee. Mein Dank geht an Sie, Herr Brigadier, und an alle Soldaten und Soldatinnen. Ihre kluge Öffentlichkeitsarbeit wird geschätzt, Ilse Oehler

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